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ahavta - begegnungen an Lag BaOmer

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ahavta - begegnungen an Lag BaOmer
Von Ricklef Münnich • Ausgabe #118 • Im Browser ansehen
Schalom,
Lag BaOmer ist der freudige Tag inmitten einer Trauerzeit. Der Name bedeutet „33. Tag in der Omer-Zählung“. Zwischen Pessach-Ende und dem Wochenfest Schawuot werden die Tage nämlich gezählt – dem Gebot in 3. Mose 23,15-16 folgend:
Danach sollt ihr zählen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe als Schwingopfer darbrachtet, sieben ganze Wochen. Bis zu dem Tag nach dem siebenten Sabbat, nämlich fünfzig Tage, sollt ihr zählen und dann ein neues Speisopfer dem HERRN opfern.
Die hier genannten „50 Tage“ begegnen übrigens wieder in dem christlichen Fest „Pfingsten“. Das Wort ist abgeleitet vom griechischen pentekoste, was 50 heißt.
Zu Trauer und Freude unten mehr.
Die letzte Ausgabe dieses Info-Briefes erschien am 5. Mai zu Jom HaAzmaut, dem israelischen Unabhängigkeitstag (anders der Mitgliederbrief ahavta+, der sonntäglich herauskommt). Dazu gibt es heute einen Nachtrag mit Dr. Yuval Lapide.
Eine Repräsentativbefragung durchgeführt von dem Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des American Jewish Committee Berlin zum Thema „Antisemitismus in Deutschland“ gebe ich dir zum Download und zeige nur zwei der erschreckenden Ergebnisse.
Zu einem Studiennachmittag mit Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens bist du am kommenden Sonntag eingeladen.
Zuletzt folgt eine herzliche Bitte, um die Zustellbarkeit meiner Information in dein E-Mail-Postfach zu gewährleisten.
Herzlich
dein Ricklef Münnich

Lagerfeuer am Abend von Lag Baomer in Israel
Lagerfeuer am Abend von Lag Baomer in Israel
Freudenfeuer an Lag BaOmer
Nicht nur bei orthodoxen Juden in Israel sind die Feuer zu Beginn von Lag BaOmer eine beliebte Tradition. Lagerfeuer sind einfach etwas Schönes. Wie oft bei Bräuchen liegt die Entstehung im Dunkeln. Aber natürlich gibt es Erklärungen…
Zunächst einmal: Warum ist die Omer-Zeit zwischen Pessach und Schawuot eine traurige? Im Talmud-Traktat Jewamot 62b heißt es:
Man erzählt, dass Rabbi Akiva zwölftausend Schülerpaare hatte, … und alle starben sie in einer Zeitperiode, weil sie einander keine Ehrung erwiesen … Es wird gelehrt: Alle starben sie zwischen dem Pessachfeste und dem Wochenfeste.
Rabbi Akiva war einer der größten, wenn nicht der bedeutendste Lehrer in den Jahrzehnten nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70. Der Verlust seiner Schüler macht die Tage im Omer auch heute zu einer Trauerzeit. Es ist daher nicht üblich, im Omer Hochzeiten zu feiern. Ausdruck der Trauerzeit ist auch, sich die Haare nicht zu schneiden und den Bart zu kürzen.
Es wird überliefert, dass die zweimal 12.000 Schüler Rabbi Akivas an einer Seuche starben. Am 33. Tag nach Pessach hörte diese Seuche auf zu wüten. Deshalb ist Lag BaOmer die Ausnahme in der Omer-Zeit und ein freudiger Tag, an dem nun gerade geheiratet wird.
Bei orthodoxen, besonders chassidischen Juden erhalten Jungen mit drei Jahren ihren ersten Haarschnitt an Lag BaOmer
Bei orthodoxen, besonders chassidischen Juden erhalten Jungen mit drei Jahren ihren ersten Haarschnitt an Lag BaOmer
Von einer solch gewaltigen Seuche im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ist sonst nichts bekannt. Wohl aber, dass Rabbi Akiva ein Gefolgsmann von Schimon Bar Kochba gewesen ist, der den zweiten Krieg gegen die römische Besatzungsmacht im Land Israel angeführt hat. Dieser endete mit einer schrecklichen Niederlage der Juden und Rabbi Akiva selbst als jüdischer Märtyrer, nämlich Zeuge für Gott, unter römischer Folter.
So mag es Selbstzensur zum eigenen Schutz innerhalb der jüdischen Überlieferung sein, dass sie nicht von der „Seuche der Römer“ spricht, also dem Tod der Schüler Rabbi Akivas im Krieg, sondern eine Krankheit daraus machte.
Zugleich ist Lag BaOmer der Tradition zufolge der Todestag von Rabbi Schimon Bar Jochai – auch er ein Schüler von Rabbi Akiva. Das Gedenken an den Lehrer nimmt jedoch dem Tag nicht dessen freudigen Charakter. Denn zwar soll Schimon bar Jochai ebenfalls von den Römern zum Tode verurteilt worden sein, doch entging er dem Verhängnis, indem er sich mit seinem Sohn 13 Jahre lang in einer Höhle versteckt hielt und dort die Tora studierte. Manche sagen, in dieser Zeit sei das Hauptwerk der Kabbala, der Sohar, entstanden. Tatsächlich ist diese Textschöpfung zwar ein Produkt des späten 13. Jahrhunderts, aber gewann von Anfang an ein Ansehen durch die Zuschreibung an Schimon bar Jochai als Autor.
Auf dem Berg Meron in Galiläa, in der Nähe von Safed, liegt die Grabstätte von Rabbi Schimon bar Jochai. Sie ist an Lag BaOmer das Ziel vieler Tausend orthodoxer und chassidischer Juden. Im vergangenen Jahr entstand ein solches Gedränge, dass 45 Menschen bei einer Massenpanik zu Tode kamen.
Die Grabstätte von Schimon bar Jochai in Meron
Die Grabstätte von Schimon bar Jochai in Meron
Jom HaAzmaut-Feier mit Yuval Lapide und Daria Fomina
Der Jüdischer Nationalfonds e.V. - Keren Kayemeth LeIsrael feierte den israelischen Unabhängigkeitstag mit einem festlichen Online-Event. Johannes Guagnin, der Hauptdelegierte, schrieb anschließend darüber:
(Wir hatten) die Freude gemeinsam über Israel zu sprechen und zu lernen.
Dr. Yuval Lapide vermochte den schmalen Grad des Übergangs von der Trauer Yom Hazikarons zur Freude Israels so authentisch zu vermitteln, dass man einen Zugang zu dem besonderen und unvergleichlichen wie verbindenden Lebensgefühl von Menschen aller Religionszugehörigkeiten mitfühlen und nachvollziehen konnte.
… im musikalischen Teil der Sendung (hörten wir) Lieder berühmter jüdischer und israelischer Künstler vorgetragen von einer der berühmtesten Klezmer-Musikerinnen der Ukraine Daria Fomina.
Du kannst diesen Abend auch jetzt noch nachverfolgen – bei YouTube:
Yom HaAtzmaut Online Event
Yom HaAtzmaut Online Event
Eine jüdisch-orthodoxe Theologie des Christentums aus traditionellen Quellen
Unter diesem Titel und ebenfalls online findet am kommenden Sonntag, 22. Mai, von 14 bis 17 Uhr, ein weiterer Studiennachmittag mit Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens im „Stuttgarter Lehrhaus“ der „Stiftung für interreligiösen Dialog“ statt. In der Einladung heißt es:
Eine jüdische Theologie des Christentums ist immer noch ein Desiderat, aber de facto wird schon spätestens seit dem frühen Mittelalter immer wieder der religionsrechtliche Status des Christentums diskutiert. Je nach Zeit und Ort waren die Positionen sehr unterschiedlich und entwickelten sich auch aktuell noch weiter. … Rabbiner Dr. Ahrens … führt in diesem Studiennachmittag in die neuesten Forschungsergebnisse zu den jüdisch-orthodoxen Diskussionen ein und zeichnet die Entwicklungen bis heute nach.
Teilnehmen kannst du nach umgehender Anmeldung per E-Mail an info@stuttgarter-lehrhaus.de.
Antisemitismus in Deutschland
Knapp sieben Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Muslime, in Zahlen 5,5 Millionen (Stand 2020). Es ist diese Bevölkerungsgruppe, die mit dazu beiträgt, dass antisemitische Aussagen über Juden Zustimmungswerte bekommen, wie es sie seit dem Nationalsozialismus nicht mehr gegeben hat.
Viele Muslime praktizieren ihre Religion nicht. Es sind jedoch gerade Muslime, die regelmäßig eine Moschee besuchen, die den höchsten Zustimmungswerte zu antisemitischen Aussagen haben – teilweise zwei Drittel.
Das legt die Schlussfolgerung nahe, dass dem Islam eine Judenfeindlichkeit immanent ist.
Die oben graphisch dargestellten Zahlen sind das Ergebnis einer Repräsentativbefragung zum „Antisemitismus in Deutschland“, in der zur Jahreswende deutsche Bevölkerung ab 18 Jahre sowie in Deutschland lebende Muslime ab 18 Jahre interviewt worden waren. Die gesamte, sehr aufschlussreiche Studie erhältst du hier zum Download:
Die „European Union Agency for Fundamental Rights“ (FRA) hatte bereits 2018 Jüdinnen und Juden in Deutschland die Frage gestellt, welchem Spektrum sie den schlimmsten antisemitischen Vorfall, der ihnen in den letzten 5 Jahren widerfahren ist, zuordnen. 41 Prozent antworteten: „Someone with a Muslim extremist view“.
Dr. Remko Leemhuis, Direktor des AJC Berlin, schreibt im Vorwort der jetzigen Repräsentativbefragung:
Die Ergebnisse der vorliegenden Umfrage bestätigen, dass antisemitische Stereotype und Ressentiments in dieser Bevölkerungsgruppe durchgängig deutlich stärker vertreten sind als im Bevölkerungsdurchschnitt. Wie die Umfrage aber auch belegt, bedeutet dies selbstredend nicht, dass Antisemitismus allein ein Problem der muslimischen Community ist. Allerdings kann dieses immense Problem auch nicht ausgeblendet werden, wenn der Kampf gegen Antisemitismus erfolgreich sein soll.
Eine Bitte zum Schluss
Wenn du bis hierher gelesen hast, dann folge doch auch noch meiner Bitte und nimm die Absenderadresse dieser E-Mail, info@ahavta.com, in die Liste deiner Kontakte auf. Das verbessert in der Regel die Zustellbarkeit meiner Info-Briefe sehr.
Bei Google Mail (Gmail) verschiebe bitte diese E-Mail in die Registerkarte „Priorität“. Das gilt entsprechend auch für andere E-Mail-Programme. Danke!
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Ricklef Münnich

Mit „ahavta  - Begegnungen“ bringe ich dir als evangelischer Pfarrer die Lebenswirklichkeit Israels nahe. Online-Vorträge und Gespräche zeigen dir jüdisches Leben mit der Tora in Deutschland.

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