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Von Ricklef Münnich

ahavta - begegnungen entdeckt eine berührend-tragische Geschichte

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ahavta - begegnungen
ahavta - begegnungen entdeckt eine berührend-tragische Geschichte
Von Ricklef Münnich • Ausgabe #77 • Im Browser ansehen
In Jaffa verstarb am 21. Oktober Grzegorz Pawłowski. Oder sollte ich schreiben Jakob Zvi Gruner? Oder Jakub Hirsch Griner? Lies seine bewegende Geschichte, die im Holocaust ihren Anfang nahm.
Außerdem lade ich dich heute ein, mit mir in Israel Hebräisch und Tora zu lernen.

Die Kirche Sankt Peter in Jaffa (Foto: Racheli Ras)
Die Kirche Sankt Peter in Jaffa (Foto: Racheli Ras)
Ein Priester wurde gestern jüdisch beerdigt
Die St. Peterskirche in Jaffa kennt jeder Tourist, der nach Israel kommt. Die Geschichte des Pfarrers der katholischen Gemeinde von Jaffa, Gregor Pawlowski ist dabei nahezu unbekannt. Sie begann am 23. August 1931 im polnischen Zamość mit der Geburt von Jakub Hirsch Griner. Dort wuchs dieser in einem religiösen Elternhaus auf. Als die Nazis einmarschierten, wurde die Familie in ein örtliches Ghetto gesteckt. Sein Vater verschwand, vermutlich von den Deutschen ermordet.
Im Zuge der „Aktion Reinhardt“, in deren Verlauf zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 etwa 1,6 bis 1,8 Millionen Juden sowie rund 50.000 Roma aus den fünf Distrikten des Generalgouvernements (Warschau, Lublin, Radom, Krakau und Galizien) in den drei Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka ermordet wurden, kamen im November 1942 etwa 4000 Juden in ein Massengrab auf Friedhof von Izbice, darunter auch die Juden von Zamość. Auch Miriam Griner und ihre beiden Töchter waren unter den Ermordeten; ihr Sohn Chaim war zu Beginn des Krieges nach Russland geflohen, überlebte und gelangte nach Israel.
Dem kleinen Jakob Hirsch gelang es, in der Dunkelheit zu entkommen. Er irrte in der Stadt umher, ständig in Angst, als Jude entdeckt zu werden, und versteckte sich in Scheunen und unter Holzstapeln. Schließlich kehrte er nach Zamość zurück, wo ihm Bekannte der Familie halfen.
Die Polen lehrten ihn die Gebete ihrer katholischen Religion. Eines Tages fragte ihn ein jüdischer Junge auf der Straße, ob er leben wolle. Hirsch antwortete: „Ja!“ Darauf erklärte ihm der Junge, dass er einen katholischen Taufschein brauche. Der Junge sagte ihm, er solle einen Moment warten und brachte ihm einen Taufschein. Von diesem Zeitpunkt an übernahm Hersch die Angaben, die in dem Dokument standen. Der Name auf dem Dokument war Grzegorz (Gregor) Pawłowski, und von da an trug er diesen polnischen Namen.
Trotzdem war Jakob Hirsch ständig in Gefahr. Schließlich fand er eine Familie, die sich seiner annahm und in deren Haus er polnisch lesen und schreiben lernte. Später wurde er in einem Waisenhaus untergebracht, das von zwei katholischen Nonnen geleitet wurde, und besuchte die Schule.
Jakob konvertierte schließlich zum Christentum und wurde Priester in der Region Lublin. 1966, zum tausendsten Jahrestag des Christentums in Polen, veröffentlichte eine katholische Zeitung in Krakau einen Beitrag von ihm, der nach Israel und auf Umwegen zu Verwandten in Bat Yam gelangte. Diese setzten sich mit Gregors Bruder Chaim in Verbindung, der in Haifa lebte und noch am selben Tag nach Bat Yam kam. Als er die Geschichte las, sagte er: „Das ist mein Bruder!“
1970 gab die Kirche Gregors Antrag statt, ihn nach Israel zu entsenden. Vor seiner Abreise errichtete er am Ort des Massenmords von Izbica ein Denkmal, dessen Inschrift (in Polnisch und Hebräisch) lautet:
Denn ich weiß, dass mein Erlöser lebt und dass er am Ende auf der Erde stehen wird. (Hiob 19,25)
Zum ewigen Gedenken an unsere lieben Eltern Mendel, Sohn des Zeev, und Miriam, Tochter des Isaac Griner, seligen Andenkens, und unserer Schwestern Shindel und Sarah seligen Andenkens.
Und auch an alle Juden, die ermordet und auf diesem Friedhof begraben wurden im Monat Kislev 5703 durch die Nazi-Mörder und Schänder der Gebote Gottes. In Dankbarkeit gegenüber Gott, dass wir gerettet wurden errichten wir dieses Denkmal
Pfarrer Gregor Pawlowski, Jakob Zvi Griner - Polen / Chaim Griner - Israel
Er bereitete sogar eine Grabstätte für sich selbst vor. Der Stein trug die folgende Inschrift:
Pfarrer Gregor Pawlowski
Jakob Zvi Griner
Sohn von Mendel und Miriam seligen Andenkens
Ich verließ meine Familie
Um mein Leben zur Zeit der Shoah zu retten
Sie kamen, um uns zur Vernichtung zu bringen
Mein Leben habe ich gerettet und habe es geweiht
für den Dienst an Gott und der Menschheit
Ich habe ihnen diesen Ort zurückgegeben
wo sie ermordet wurden zur Heiligung des Namens Gottes
Mögen ihre Seelen in das ewige Leben versetzt werden
Pfarrer Grzegorz Pawłowski
Pfarrer Grzegorz Pawłowski
Pawlowski diente der katholischen Gemeinde von Jaffa fast vier Jahrzehnte lang. Vor sieben Jahren freundete er sich mit dem Leiter einer Jeschiwa (eines Lehrhauses), Rabbiner Schalom Malul, an, der regelmäßig Studenten nach Polen brachte. Dort fand Malul den Grabstein Griners. Jedes Mal, wenn er auf einer weiteren Holocaust-Bildungsreise an diesen Ort kam, rief er Pawlowski an und dieser erzählte den Talmud-Schülern am Telefon die Geschichte seines Überlebens.
Malul berichtete, Pawlowski habe ihm erzählt, er sei der Kirche aus tiefer Dankbarkeit dafür beigetreten, dass er während des Krieges von ihr gerettet worden war. Dennoch fühle er sich noch immer zutiefst jüdisch. Er sagte: „Ich bin als Jude geboren, ich habe als Christ gelebt und ich werde als Jude sterben“, und „mein Herz fühlt sich jüdisch an“. Laut Rabbiner Malul schrieb Gregor Pawlowski in sein Testament, dass er „bei seiner Beerdigung einen Minjan haben und das Kaddisch sprechen lassen wollte“.
Im Jahre 2008 schrieb Pawlowski auf einer polnischen Website:
Ich wollte nicht mit einer Lüge leben. Ich wollte meine Wurzeln, meine Mutter, meinen Vater, mein Volk nicht verleugnen. Ich möchte wahrhaftig sein. Ich habe also ein Heimatland, und das ist Polen, und ich gehöre zum polnischen Volk. Aber ich habe ein Volk, das an erster Stelle steht - das jüdische Volk. Ich wurde am achten Tag beschnitten und ich gehöre dazu. Ich gehöre sowohl zu Polen als auch zu Israel. Ich kann nicht gegen die Polen sprechen, weil sie mich gerettet haben, und ich kann nicht gegen die Juden sprechen, weil ich einer von ihnen bin.
Die Trauermesse für Grzegorz Pawłowski wurde gestern um 10 Uhr unter dem Vorsitz von Erzbischof Stanisław Budzik, Großkanzler der Katholischen Universität Lublin, in der Kathedrale von Lublin gefeiert. Der Leichnam von Jakob Zvi Griner wurde um 14 Uhr auf dem jüdischen Friedhof in Izbica beigesetzt.
Requiescat in pace! Schalom!
Im Kibbuz Hebräisch und Tora lernen
Im Mitgliederbrief ahavta+ schrieb ich über die Bedeutung der hebräischen Sprache und des hebräischen Alfabets für das Verständnis von Tora und Bibel. Daraus erwuchs ein Vorhaben, zu dem ich jetzt auch dich einladen möchte.
Das ist der Plan und meine Einladung an dich:
  • Beginn in Israel am 7. März 2022
  • Leben und Lernen im Kibbuz Mashabei Sadeh mitten im Negev
  • 30 Unterrichtsstunden pro Woche, teilweise auch „Outdoor“ bei den Ausflügen. Du lernst Iwrit, das biblische Hebräisch wird in den Kurs integriert.
  • Nachmittags mit mir Lernen in der Tora, wobei du deine neuen Hebräisch-Kenntnisse gleich anwenden kannst.
  • Dazu lade ich uns Gesprächspartner aus Israel ein, wie zum Beispiel Johannes Gerloff oder Chaim Noll.
  • Mitleben mit den Kibbuzmitgliedern beim Essen, bei Veranstaltungen, beim Feiern des Purim-Festes (16./17. März) oder in der Nutzung der Gemeinschaftseinrichtungen wie z.B. dem Schwimmbad
  • Bei Ausflügen lernst du Land und Leute kennen und praktizierst dein Hebräisch.
  • Dauer zwei Wochen; je nach deinem Zeitplan und deinen Möglichkeiten kannst du den Sprachkurs wie den Kibbuzaufenthalt um einzelne weitere Wochen bis 29. April 2022 verlängern und so etwa auch das Pessach-Fest in Israel erleben.
Im Kibbuz Mashabei Sadeh
Im Kibbuz Mashabei Sadeh
Der Hebräisch-Unterricht ist kommunikativ gestaltet: Du sprichst Hebräisch von Anfang an, Lektionen außerhalb des Klassenraums geben dir die Möglichkeit, das Gelernte in die Praxis umzusetzen. 
Vormittags: Sonntag bis Donnerstag je 6 Unterrichtsstunden Hebräisch. An einem Tag in der Woche findet der Kurs auf einer Exkursion oder Besichtigung statt, z.B. zu Fuß in den Wüstenpark Golda oder Fahrt ans Tote Meer und nach Qumran.
Nachmittags: Kennenlernen der Tora, Schnuppern in Talmud und Midrasch, Einführung in das jüdische Gebet und den Schabbat. Und natürlich freie Zeit zur Erholung.
Das ist im Preis enthalten
Der Preis für 2 Wochen im Kibbuz Mashabei Sade beträgt 1.760 € im Doppelzimmer, Einzelzimmer zusätzlich 240 €. Weitere Preise für deine Verlängerungswochen teile ich dir gerne mit.
Im Preis enthalten sind Sprachkurs, Tora-Studium, Vollpension, freier Eintritt ins Schwimmbad, Ausflüge (1 pro Woche) und Veranstaltungen lt. Programm, das dir zu Beginn des Kurses vor Ort überreicht wird.
Nicht enthalten sind Flug und Transfer in den Kibbuz sowie zurück zum Flughafen sowie natürlich persönliche Ausgaben. Gerne buchen wir für dich zu den günstigsten Möglichkeiten!
Ein Rabatt für Mitglieder
Wenn du Mitglied bei ahavta+ wirst, erhältst du einen sicheren Platz für die Reise sowie einen exklusiven Preisnachlass von 100 € (also fast den Wert eines Jahres-Abonnements).
Ich bin glücklich, dir dieses besondere und einzigartige Angebot machen zu können und freue mich, mit dir im Frühjahr im Negev zu lernen und zu leben. Daher sehe ich erwartungsvoll deiner E-Mail entgegen:
Herzliche Grüße
Dein Ricklef
PS: Morgen, um 14 Uhr, spricht Landesrabbiner Alexander Nachama das „Wort zum Schabbat“.
Am Sonntag, um 17 Uhr, sind wir wieder mit Johannes Gerloff zusammen bei Gesprächen unter dem Feigenbaum.
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Ricklef Münnich

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